Wir freuen uns sehr, dass die Grundstufe der Weiterbildung Integrative Budōtherapie nun in Berlin stattfinden wird:
Kompaktweiterbildung
Budōbasiertes Achtsamkeitstraining (bbAT)
Grundstufe der Integrativen Budotherapie
an folgenden Wochenenden:
4 x 3 Tage Weiterbildungs-Seminar im Dojo des Kikentai Berlin
23. – 25.01.2027 | 17. – 19.04.2027 | 19. – 21.06.2027 | 18. – 20.09.2027
Seminarort: Kikentai Berlin, Palisadenstraße 49, 10243 Berlin-Friedrichshain
Leitung: Antje Grez, Hermann Ludwig
Seminarzeiten: Sa und So 9 – 13 und 15 – 20 Uhr, Mo 9 – 13 Uhr
Weiterbildungsinstitut: Europäische Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit, Naturtherapien und Kreativitätsförderung EAG
Unterkunft und Verpflegung: selbstorganisiert
Anmeldung: erfolgt über die EAG >>>
Mail an: schiller@eag-fpi.de
Weitere Infos unter: Institut für Budōtherapie
Eine Veranstaltung der EAG in Kooperation mit dem Institut für Budōtherapie


Inhalt
Die Wahrnehmung ist die Grundlage der Achtsamkeit, über die wir in einem hermeneutischen Erkenntnisprozess zum Erfassen, Verstehen und Erklären von uns selbst und der Welt gelangen. Sich selbst in intersubjektiver Korrespondenz zu erfahren, findet im bbAt wie auch in den traditionellen Kampfkünsten auf der „Matte“ statt. Immer geht es dabei darum, sich selbst und gleichwohl das Miteinander in den Blick, ins Gespür zu nehmen, wir sprechen hier von „komplexer Achtsamkeit“. Wesentliche „Kerntechniken“, um sich in komplexer Achtsamkeit zu üben, sind die Verneigung (Reî) und die „Kata Shingon“ (Diamantform), immer eingebettet in vielfältige partnerschaftliche Übungen. Auch beim Kämpfen liegt der Fokus stets auf dem Miteinander, auf dem gemeinsamen Ringen um die gute Lösung. Dieses Miteinander gilt es beständig zu üben.
Seminar 1
Der Leib denkt mit – Einführung in das Konzept des Embodiment
Sa – Mo 23. – 25. Januar 2027
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Empfindungen und Stimmungen kommen über Körperhaltungen, Mimik und Gestik „leibhaftig“ zum Ausdruck (top-down-approach), gleichwohl lassen sich Emotionen bzw. Affekte durch therapeutische Intervention, wie beispielsweise der Arbeit an der „körperlichen“ Haltung oder an spezifischen Bewegungsmustern, gezielt beeinflussen, verändern und nachhaltig neu verankern (bottom-up-approach). Über Körper-, Bewegungs-, Atem- und Achtsamkeitsübungen werden so die Wechselwirkungen zwischen Fühlen, Denken und Handeln (Embodiment) leiblich bewusst erfahrbar. Die Schulung einer in diesem Sinne ganzheitlichen Körperwahrnehmung bzw. Leibbewusstheit und komplexen Achtsamkeit ermöglicht das Erkennen eigener Denk- und Handlungsmuster als Voraussetzung für eine emotionale und kognitive Neubewertung und Implementierung neuer Verhaltensweisen. Die konkret erlebte Handlungs- und Veränderungskompetenz führt zur verbesserten Selbstwirksamkeit und wird damit gerade in der Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen etc.) zu einem wesentlichen Wirkfaktor.
In diesem Seminar werden Übungen zur „komplexen Achtsamkeit“ zur Schulung der Körperwahrnehmung und Leibbewusstheit sowie die „aufrechte Haltung“ im Stehen, Gehen und Sitzen sowie in verschiedenen Bewegungsformen praktiziert und geübt.
Seminar 2
Das persönliche Projekt – vom Wollen zum Handeln
Sa – Mo 17. – 19. April 2027
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Auf der Grundlage eines „komplexen Verhaltensbegriffes“ können Verhaltensänderungen nur gelingen, wenn man neben dem Denken und Fühlen auch das Wollen und Handeln wesentlich mit in den Blick nimmt. Volitionale Faktoren spielen bei der Definition von persönlichen Zielen und Projekten sowie bei der Umsetzung von Veränderungsprozessen – von der Entscheidungsfindung bis zum regelmäßigen Training (Neubahnung) – eine entscheidende Rolle. Der „eigene Weg“ wird in der Budōtherapie „in Bewegung“ entdeckt, erprobt und gefestigt. Hierzu dienen zum einen individuell entwickelte Übungen, zum andern das kontinuierliche Üben strukturierter Bewegungsformen, die dann beispielsweise als Skills zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der Veränderungsmotivation, zur Stärkung des Durchhaltevermögens und zur Festigung neuer Verhaltens- bzw. Handlungsmustern fungieren, so dass die Stärkung volitionaler Kompetenzen gerade bei depressiven Erkrankungen zu einer allgemeinen körperlichen und psychischen, d.h. ganzheitlich „leiblichen“ Aktivierung und damit zu einer nachhaltigen Besserung der Symptomatik führen kann.
Volitionale Kompetenzen lassen sich in der Budōtherapie durch strukturierte und ritualisierte Partnerübungen – auch gegen Widerstände – entwickeln und festigen. Gerade hier bedarf es der besonderen Achtsamkeit, weil es immer darum geht, bei der Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse nicht die Grenzen der anderen zu verletzen. Das beinhaltet u.a. auch die Fähigkeit, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, gerade dann, wenn die eigenen Ziele nicht erreichbar erscheinen. Dann gilt es, sich der eigenen dysfunktionalen Gedanken und Gefühle zwar durchaus bewusst zu sein, das eigene Verhalten aber nicht zwangsläufig an ihnen auszurichten. Dies erfordert die Entwicklung von Gleichmut und Gelassenheit, um sich selbst und anderen respektvoll und fürsorglich begegnen zu können.
In diesem Seminar liegt der Fokus auf Achtsamkeitsübungen, die zum einen für die eigenen Bedürfnisse (Volitionen) sensibilisieren und die zum andern auf der Handlungsebene einen bewussten und kontrollierten Ausdruck ermöglichen.
Seminar 3
Selbst wirksam sein – vom Affekt zur Emotionsregualtion
Sa – Mo 19. – 21. Juni 2027
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Die „Komplexe Achtsamkeit“, ein zentrales Konzept in der meditativ-nootherapeutischen Praxis der Integrativen Therapie, geht über die sinnliche Wahrnehmung der eigenen Empfindungen, Stimmungen und Gefühle hinaus und ist stets gleichermaßen auf die potenzielle Verletzlichkeit des „Leibes“ auf die Sorge um den anderen, wie auf die Verwundbarkeit der (Lebens-)Welt gerichtet.
In diesem Seminar werden unterschiedliche Achtsamkeitstechniken in Ruhe (Zazen, Bodyscan, Atemübungen), in Bewegung (Kata, Kinhin, Tai-Chi) und als Naturerfahrung vermittelt und geübt, um eine differenzierte Selbst- und Fremdwahrnehmung zu schulen, sowie die Selbststeuerungsfähigkeiten im Sinne einer verbesserten Emotions-, Kognitions- und Impulsregulation zu erweitern, was auf der neurobiologischen Ebene zu einer Stärkung der Verbindung zwischen medialen präfrontalen Cortexbereichen und der Amygdala führt. Zudem wird die Fähigkeit, sich inneren und äußeren Realitäten zu stellen, auf diese Weise verbessert, die in Seminar 2 im Zentrum stehende Entwicklung von Handlungsabsichten wird weiter unterstützt. Besonders bei der dissozialen und Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Selbststeuerungskompetenz, also eine gelingende Affektkontrolle, Mentalisierungs- und Volitionskraft von zentraler Bedeutung, um Selbstverletzungen, aber auch um die Beschädigung anderer zu vermeiden. Hierfür ist die Entwicklung von Gleichmut und Gelassenheit von besonderer Bedeutung, worauf die in diesem Seminar praktizierten Achtsamkeitsübungen fokussieren.
Seminar 4
Konvivialität – immer miteinander, nicht gegeneinander
Sa – Mo 18. – 20. September 2027
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Die in der komplexen Achtsamkeit inhärente Sorge um den anderen und um die Lebenswelt wird durch das Konzept der Konvivialität – als “Kunst des Zusammenlebens”, als der „Wille zur Verbundenheit“ und zugleich als Grundhaltung eines werteorientierten Konfliktmanagements – weiter präzisiert. Auch oder gerade in der Psychotherapie bedeutet dies einen partnerschaftlichen, achtsamen, respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander. In der Budōtherapie verdichtet sich diese melioristische Grundhaltung in der Verneigung als spezifische Achtsamkeitsübung (ich neige mich dir zu), die mit der inneren Haltung der Zuneigung (ich bin dir zugeneigt) korrespondiert und auch mit dem Versprechen, den anderen zu schützen und zu beschützen (ich achte darauf, dass dir nichts geschieht). Damit erhält die „Sorge um den anderen“ den gleichen Stellenwert wie die Sorge um sich selbst und mündet unweigerlich in die „Sorge um das Ganze des Lebens“; denn: „über die Integrität eines jeden wacht ein jeder“. In diesem Sinne sensibilisiert Budōtherapie für einen feinfühligen, achtsamen und friedfertigen Umgang mit sich selbst und im Miteinander sowie mit der Natur und schafft so die Basis für faire und gelingende Auseinandersetzungen – immer miteinander, nicht gegeneinander.
In diesem Seminar werden Achtsamkeitsübungen zum Erkennen und Wahren der eigenen Grenzen und der Grenzen anderer praktiziert und geübt. Weiterhin werden therapeutische Strategien zum konstruktiven Umgang mit Konflikt-, Krisen- und Stresssituationen entwickelt und eingeübt.

